Gesundheitsforum in Plauen

„Landrat spielt mit der Gesundheit der Patienten“

Plauen. Am vergangenen Wochenende wurde die Zukunft der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum beim AfD-Gesundheitsforum im Hotel Alexandra in Plauen diskutiert. Der Vorsitzende der AfD-Kreistagsfraktion, Dr. Thomas Schädlich, Internist, hatte den Medizinrechtsexperten Dr. Ronny Hildebrandt aus Berlin ins Vogtland eingeladen, um den Ärztemangel kritisch zu betrachten. Der Einladung folgten neben rund 50 Gästen auch der AfD-Bundestagsabgeordnete Ulrich Oehme und der gesundheitspolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion André Wendt.

„Ein Staat ist nur so gesund wie sein Gesundheitssystem. Und unser Gesundheitssystem ist ineffizient, ungerecht und verliert immer weiter an Qualität“, beklagte Dr. Schädlich. Die medizinische Versorgung auf dem Land könne wegen der fehlenden Ärzte nicht ordnungsgemäß aufrechterhalten werden. Durch die Globalisierung entstünden supranationale gewinnorientierte Gesundheitskonzerne. Für die großen Krankenhauskonzerne sei jeder Patient nur ein Fall und durch die Fallpauschalen würde Profitoptimierung betrieben. Von fertigen Mediziner, die jährlich die Universitäten verlassen, kämen über 7000 nicht an der Basis des Gesundheitswesens an. Der Vogtlandkreis plane den daraus resultierenden Hausärztemangel durch den sogenannten „Physician Assistant“ aufzufangen. Das sind medizinische Hilfskräfte, die lediglich einen Bachelor-Abschluss, aber bei Weitem kein Medizinstudium absolviert haben, und in die Arztpraxen geschickt werden. Dort sollen diese unter Aufsicht von Ärzten, die beispielsweise in einem Krankenhaus per Telemedizin mit dem PA verbunden sind, Hilfstätigkeiten ausführen. „Durch die Telemedizin sollen Tätigkeiten der Physician Assistants legitimiert werden“, erläuterte Dr. Hildebrandt.

Der Berliner Anwalt ist jedoch überzeugt, dass ärztliche Leistungen nicht von PAs ausgeführt werden dürfen. Bereits die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen hat 2015 davor gewarnt, dass zwar Delegation gesagt, aber Substitution gemeint sei. Er weist auch auf Haftungsprobleme hin, wenn der PA Fehldiagnosen an den überwachenden Arzt übermittelt und dieser aufgrund falscher Informationen gesundheitsgefährdende Entscheidungen trifft.

Für die AfD-Politiker ist der Hausärztemangel und die damit verbundene Situation in der ländlichen Gesundheitsversorgung ein untragbarer Zustand. Der Bürgermeisterkandidat der Gemeinde Rosenbach, Steffen E. Arlt, kritisierte, dass in seiner Gemeinde laut Versorgungsplan zwei Plätze frei seien, aber sich kein Hausarzt finde. Der Landtagsabgeordnete André Wendt möchte Medizinstudenten motivieren, freiwillig als Hausarzt im ländlichen Raum zu arbeiten. Dazu sollen Kommunen den Mut aufbringen, selbst medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu gründen.

Die Zukunft der Krankenhäuser im Vogtland, so Dr. Schädlich, wird sich darauf konzentrieren müssen, lieber weniger, aber dafür gute Krankenhäuser zu haben. Eine hochwertige medizinische Versorgung durch Fachärzte und wirtschaftlich sauber arbeitende Krankenhäuser sei ihm wichtig. Der AfD-Kreisrat Dr. Schädlich fordert zur schnellen Schließung der Versorgungslücke bei den Hausärzten die Wiedereinführung des Praktischen Arztes. Mit den Physician Assistants würden nur Hilfskräfte statt Hausärzten etabliert. Dies sei ein billiger Profilierungsversuch des vogtländischen Landrats, der dabei mit der Gesundheit der Patienten spiele.